Wir brauchen viel mehr Power, nicht nur Investitionsmittel!

Interview mit Dr. Theo Niehaus, Präsident des Didacta-Verbands

Der neue Präsident des Didacta-Verbands Dr. Theo Niehaus war einer der ersten Besucher im neuen Gebäude von AixConcept auf Camp Astrid in Stolberg. Wir nutzten die Chance zu einem exklusiven Interview.

Dr-Theodor-Niehaus, Präsident des Didacta-Verbands
Dr-Theodor-Niehaus, Präsident des Didacta-Verbands
  • Was motiviert Sie, nach über 25 Jahren in der Bildungsbranche weiterhin Energie in das Thema Bildung zu stecken, sogar mehr als vorher, denn als Präsident des Didacta-Verbandes haben Sie vielfältige Aufgaben und Verpflichtungen? Sind Sie nicht langsam müde, weil sich vieles wiederholt?

Bildung ist und wird zunehmend für unseren Wirtschaftsstandort ein Megathema, für das es sich doppelt lohnt, sich zu engagieren. Jeder Tag in meiner neuen Aufgabe bringt spannende Themen, keine Wiederholungen. Ich möchte im Didacta Verband neue Impulse setzen und vor allem die unternehmerische Komponente in der Zusammenarbeit mit unseren 260 Mitgliedsunternehmen verstärken.

  • Wo soll der didacta-Verband in 5 Jahren stehen, wohin wollen Sie ihn führen?

Im Didacta Verband bündeln wir die Interessen von Unternehmen aus allen Bildungssektoren, vom Kindergarten über die Schule und Hochschule bis hin zur beruflichen Bildung und Weiterbildung. Wir verstehen uns als Dienstleister für diese Bildungsunternehmen und werden aktiv daran arbeiten, Dialogplattformen wie die Didacta Bildungsmesse sowie unsere Zeitschriften und Online Portale bildungsklick.de etc. weiter auszubauen. Unser neuer Strategieplan 2020/2025 ist in Vorbereitung.

  • Worauf freuen Sie sich als Präsident des Didacta-Verbandes am meisten?

Auf die Begegnung mit spannenden Menschen, mit innovativen Produkten und Bildungsunternehmen, die aktiv dazu beitragen, mit Ihren Produkten und Dienstleistungen die Welt ein klein bisschen besser zu machen.

  • Worauf haben Sie gar keine Lust?

Auf Fortschritts- und Spaßbremsen wie politische Spannungen und Schneckentempo.

  • Was sehen Sie als die größte Herausforderung an, die sich den Machern und Gestaltern der digitalen Schule stellt?

Die Schulen in Deutschland werden in Sachen Digitalisierung von den Schülerinnen und Schülern im Privatsektor rechts überholt. Wir brauchen hier viel mehr Power, nicht nur Investitionsmittel. Neben allen Vorteilen digital unterstützter Bildungsprozesse fehlt es vielfach an pädagogischen Konzepten und an der Qualifizierung der Lehrkräfte (die es ihnen auch möglich machen soll, selbst pädagogische Konzepte zu erarbeiten).

  • Haben Sie einen Tipp für die Schulleitungen, wie sie am effektivsten zu einem Medienkonzept kommen, das ja die Voraussetzung für die Bewilligung von Mitteln aus dem Digitalpakt ist?

Wir haben im Ausschuss Didacta Digital eine Checkliste “Erste Schritte auf dem Weg zur digitalen Schule“ erstellt, die Schulleiter und Schulleiterinnen an die Hand nimmt und Schritt für Schritt die Anforderungen durchgeht. (Ergänzung der Redaktion: Die Checkliste finden interessierte Leser hier: https://www.didacta.de/download.php?id=181 )

Außerdem können Schulleitungen sich vertrauensvoll an professionelle Berater wie AixConcept wenden, die sie dabei unterstützen, eine Lösung zu finden, die den pädagogischen Zielen der Schule entspricht und deren technische Komponenten in der Praxis gut zusammenarbeiten.

  • Neben digitaler Bildung, KI und der digitalen Transformation: Welche Bildungsthemen sollten wir noch auf dem Schirm haben, die heute vielleicht neben den großen Themen ein bisschen untergehen?

Wir haben letztes Jahr eine große Befragung hierzu durchgeführt. Diese zeigt, dass auch andere Themen sehr wichtig sind: Warum können wir in DE bis heute immer noch nicht den Lehrerbedarf richtig einschätzen? Was tun wir, um den zunehmenden Imageverlust des Lehrerberufs aufzuhalten? Wir gehen wir mit der zunehmenden Heterogenität der Lernenden um, mit Inklusion, mit schwierigen Schülerinnen und Schülern? Es wird heute von der Schule erwartet, dass sie den Job der Eltern übernimmt. Wie bereiten wir die Kids auf Jobs vor, die es heute noch gar nicht gibt?

Volker Jürgens und Dr. Theo Niehaus vor dem neuen Gebäude von AixConcept
Volker Jürgens (links) und Dr. Theo Niehaus vor dem neuen Gebäude von AixConcept
  • Was können Sie der Politik und den Lobbyverbänden ans Herz legen, was sollen sie am dringlichsten angehen und durchziehen?

Vor zehn Jahren hat Bundeskanzlerin Angela Merkel das Thema Bildung zur Chefsache gemacht und die “Bildungsrepublik Deutschland” ausgerufen. Hier sind Innovationen und Investitionen dringend gefragt. Der Digitalpakt ist ein kleiner Baustein dazu mit IT-Infrastruktur, Qualifizierung der Lehrkräfte und geeigneten pädagogischen Konzepten, die einen Gewinn für Lehrende und Lernende bringen.

  • Sie sind heute zu Gast bei AixConcept, einem wachsenden Unternehmen der Bildungsbranche, das den Umzug in ein neues, großes Gebäude feiert. Welchen Gruß würden Sie AixConcept ins Goldene Buch schreiben?

Technologie ist heute ein Bildungsverstärker. AixConcept sollte seine Vorreiterrolle hierbei weiter ausbauen und den Bildungssektor damit stärken.

 

Wir brauchen viel mehr Power, nicht nur Investitionsmittel!
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