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Blended Learning: Face-to-Face Lernen und E-Learning

Inhaltsverzeichnis

Die Digitalisierung verändert die Art des Lehrens und Lernens. Das mmb Institut – Denkwerkstatt und Impulsgeber für die Innovation von Bildung und Lernen – veröffentlicht einmal jährlich die Ergebnisse der Trendstudie „mmb Learning Delphi“. Dafür werden Expertinnen und Experten zu den Entwicklungen und Trends des digitalen Lernens befragt. In der 14. Trendstudie von 2020 sahen diese Blended Learning als zentrale Lernform in den nächsten drei Jahren. Noch stärker bewerteten sie nur Erklärvideos (94 %) und „Learning Nuggets“ (92 %).

Aber was ist Blended Learning eigentlich? Wo liegen die Vor- und die Nachteile und für wen eignet sich dieses Konzept?

Definition: Was ist Blended Learning?

Der Begriff „Blended Learning“ – auf Deutsch „vermischtes Lernen“ – ist eine Kombination aus Präsenzveranstaltungen und E-Learning. Es handelt sich um ein didaktisches Konzept, das beide Unterrichtsmöglichkeiten auf sinnvolle Weise miteinander verzahnt. Dadurch kommt es zu einer Verbindung von fremdgesteuerten und selbstgesteuerten Lernprozessen.

Andere Bezeichnungen für Blended Learning sind „integriertes Lernen“ und „hybrides Lernen“. Dabei kann das Verhältnis ausgewogen sein und jeweils zu 50 Prozent aus Präsenzphasen und zu 50 Prozent aus der Online-Lehre bestehen. Ein Muss ist dies allerdings nicht. Ebenso können die digitalen Anteile oder die Präsenzanteile deutlich überwiegen.

Der Präsenz-Unterricht findet von Angesicht zu Angesicht statt: Lernende und Lehrende halten sich im selben Raum auf. Dabei ist die Wissensvermittlung weniger auf Einzelpersonen als vielmehr auf die Gruppe der Lernenden insgesamt ausgerichtet.

Der Online-Unterricht beziehungsweise das E-Learning findet über das Internet statt: Lernende können ortsunabhängig von überall lernen und sich weiterbilden. Dabei gibt es synchrone und asynchrone Formate.

Als synchrone Formate gelten unter anderem Live-Webinare, Live-Diskussionen und Live-Chats. Diese setzen voraus, dass sich alle Lernenden und Lehrenden zur selben Zeit virtuell im selben Raum aufhalten.

Asynchrone Formate beinhalten zum Beispiel Aufzeichnungen der synchronen Formate zum „Immer-Wieder-Angucken“, Podcasts, Lernvideos, Texte, Audio-Dateien und Serious Games (interaktive Spiele zur Wissensvermittlung). Das E-Learning kann individuell auf einzelne Lernende und ihren persönlichen Wissensstand zugeschnitten sein, aber ebenso in Gruppen stattfinden.

Online Lernen: Welche technischen Voraussetzungen sind nötig?

Zu den Voraussetzungen für eine Teilnahme am E-Learning gehört eine technische Ausstattung mit den notwendigen Geräten: Ein Computer mit Kamera, ein Laptop oder ein Tablet sowie ein schneller, zuverlässiger Internetzugang und ein Headset sollten vorhanden sein. Teilweise genügt auch ein Smartphone, um Videos oder Audiodateien abzuspielen. Allerdings ist die Aufnahme von komplexen Inhalten möglicherweise durch das kleine Format erschwert.

Wann ist Blended Learning sinnvoll?

Blended Learning eignet sich institutions- und altersübergreifend für Lernende in Schule, Universität und Beruf. Viele Menschen sind in einen straff organisierten Alltag eingebunden. Die Mischung aus Präsenzveranstaltungen und Online-Lernen erleichtert die Integration des Lernens in die Tagesstruktur. Gleichzeitig bietet das hybride Lernen die Möglichkeit, sowohl fremd- als auch selbstgesteuert Neues Wissen zu Lernenden erwerben, das Gelernte zu üben oder Inhalte zu vertiefen.

Wichtig ist, das Vorwissen der vor den Präsenzveranstaltungen anzugleichen: Mit einer kurzen Umfrage oder einem Test lässt sich der bereits vorhandene Wissensstand ermitteln. Bestehen hier große Unterschiede? Dann ist es sinnvoll, alle Lernenden in der E-Learning-Phase mit Hilfe unterschiedlicher Lernformate zunächst auf denselben Stand zu bringen.

Sonst besteht möglicherweise beim Präsenztraining das Problem, dass sich ein Teil der Lernenden langweilt, weil sie bereit viel Vorwissen mitbringen. Ein anderer Teil kann möglicherweise wegen bestehender Wissenslücken nicht folgen.

Vorteile von Blended Learning und Hindernisse

Das Hybrid-Lernen kombiniert die positiven Aspekte des Präsenzlernen mit denen des Online-Lernens. Daraus ergeben sich zahlreiche Vorteile, aber auch einige wenige Hindernisse.

Zur Teilnahme am E-Learning sind aktuelle Endgeräte wie ein Laptop, ein Computer mit Kamera, ein Tablet oder wenigstens ein Smartphone nötig. Lernende, die ältere Geräte nutzen, sind möglicherweise benachteiligt. Dazu wird eine schnelle und stabile Internetleitung gebraucht. In ländlichen Gebieten in Deutschland ist dies noch immer nicht überall gegeben.

Das Konzept Blended Learning setzt eine gute Einführung voraus. Wer wenig Erfahrung mit selbstgesteuertem Lernen mitbringt, braucht möglicherweise eine Starthilfe und Tipps, um Erfolgserlebnisse zu erleben. Es verlangt Selbstdisziplin, Selbstorganisation und Zeitmanagement, sich eigenständig mit den Lerninhalten auseinanderzusetzen. Den Arbeitsaufwand empfinden Lernende häufig als sehr hoch. Sie dürfen sich nicht ablenken zu lassen durch soziale Medien wie Instagram, TikTok und Facebook, Chats per WhatsApp, Games oder unterhaltsame Videos auf YouTube.

Auf Seiten der Lehrenden bedeutet Blended Learning einen erheblichen Vorbereitungsaufwand: Online- und Präsenzphasen müssen methodisch-didaktisch-pfiffig miteinander verzahnt werden. Das verlangt neben persönlichem Einsatz eine hohe Medienkompetenz.

Trotzdem überwiegen die Vorteile beim Blended Learning:

Flexibilität beim Lernen

Das Lernen ist in E-Learning-Phasen zeit- und ortsunabhängig über asynchrone Formate möglich. Auf diese Weise lassen sich individuelle Fähigkeiten und der jeweilige Wissensstand der Lernenden berücksichtigen: Jeder Mensch kann in eigenem Tempo lernen. Kürzere Lerneinheiten und häufige Wiederholungen sind möglich. Dadurch prägen sich Inhalte besser ein.

Gemeinschaftliches Lernen für Partner- und Gruppenarbeit

Die Präsenzlernphasen bleiben weiterhin orts- und zeitgebunden. Dafür haben die Lernenden ein gemeinsames Lernerlebnis und Interaktionsmöglichkeiten von Angesicht und Angesicht. Es kann die Motivation erhöhen, gemeinsam in der Gruppe an Diskussionen teilzunehmen, etwas zu erarbeiten oder ein praktisches Training zu absolvieren. Gerade bei der Arbeit an Geräten und Maschinen ist der Präsenzunterricht schwer zu ersetzen.

Keine Wissenslücken bei Krankheit

Findet ausschließlich Präsenzunterricht statt, verpassen erkrankte Lernende in der Regel wichtige Lerninhalte. Dadurch entstehen Lücken im Lernstoff. Schlimmstenfalls verlieren Schülerinnen und Schüler aus diesem Grund den Anschluss.

Durch E-Learning haben sie die Chance, trotz Krankheit von zu Hause aus den Unterricht zu verfolgen – beispielsweise wenn es einen Live-Mitschnitt gibt. Alle Materialien können online zur Verfügung gestellt werden.

Für alle Lerntypen geeignet

Der Online-Unterricht lässt sich beim Blended Learning vielfältig gestalten. Dazu gehören Videos, Quizzes, Podcasts, Serious Games, Textaufgaben, Wikis, Webinare und vieles mehr. In den Präsenztrainings bleibt Raum für Interaktionen zwischen Lernenden und dem Lehrpersonal. Gruppenarbeiten, Workshops oder Rollenspielen.

So spricht Blended Learning alle Lerntypen an, was die Motivation und den Lernerfolg steigert:

  • Wer visuell lernt, schaut vielleicht ein Video oder eine Grafik an.
  • Für auditive Lernende ist ein Podcast möglicherweise das Format der Wahl.
  • Jemand, der eher motorisch lernt, profitiert von einem interaktiven Spiel.
  • Austauschmöglichkeiten für kommunikative Lerntypen können im Anschluss an Webinare, im Virtual Classroom oder im Chat angeboten werden.

Lerndifferenzierung

Durch interaktives Feedback und Tests können Lernende ihren Wissensstand überprüfen. Aber auch die Lehrenden sehen, wo die Stärken und Defizite der Teilnehmerinnen und Teilnehmer liegen. Darauf können sie eingehen und jede einzelne Person dort abholen, wo sie sich befindet.

Beim Präsenzcoaching kann die Lehrkraft nicht immer unterschiedliche Lernniveaus und Lerntypen berücksichtigen. Dadurch kommen nicht alle gleichermaßen mit: Manche können dank Vorwissen problemlos folgen. Andere verstehen bestimmte Unterrichtsteile nicht oder nicht in vollem Umfang.

Durch Blended Learning kann jeder Mensch in seinem Tempo Lücken schließen oder Inhalte auffrischen.

Zeit- und Ressourcenersparnis

In den digitalen Lernphasen brauchen Lernende keine Zeit aufwenden, um zu Fuß, mit dem Rad, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Auto zum Unterrichtsort zu gelangen. Sie können zu ihrer eigenen Zeit an ihrem Wunschort lernen.

Das kann auch finanziell vorteilhaft sein, wenn für Praxiseinheiten Räumlichkeiten angemietet werden müssen. Vorhandene Räume lassen sich unter Umständen mehrfach belegen und nutzen.

Ist Blended Learning eine Methode?

Blended Learning ist ein Methodenmix. Es kombiniert verschiedene Methoden und Medien aus Präsenzunterricht und E-Learning. Dazu gehört beispielsweise das Konzept des Flipped Classroom: Erst erarbeiten sich Lernende virtuell über asynchrone Formate den Stoff. Im Klassenzimmer üben sie diesen dann gemeinsam. Hier wird also die im traditionellen Schulunterricht übliche Methode umgedreht.

Zusammenfassung

Das Konzept des Blended Learning verbindet geschickt die Vorteile von Präsenz- und E-Learning. Die Vermittlungssequenzen finden unter Anleitung einer Lehrkraft in einem Klassenraum oder Trainingsraum statt. In den digitalen Lernphasen ist ein selbstgesteuertes Arbeiten möglich. Dabei kann beim E-Learning auf eine Vielzahl unterschiedlicher Formate zugegriffen werden. Dazu gehören Fotos und Textdateien, Podcasts, Videos, Webinare, Quizzes und vieles mehr. Jeder Mensch kann entsprechend seinem Lerntyp gefordert und gefördert werden.

Allerdings bedeutet das Konzept auch Herausforderungen für Lehrende und Lernende: Zum einen ist die Vorbereitung nicht zu unterschätzen, denn die digitalen Lerninhalte und die Präsenzphasen sollten sinnvoll miteinander verzahnt werden.

Lernende müssen sich möglicherweise erst an das Konzept des selbstgesteuerten Lernens gewöhnen. Ablenkungen und mangelnde Selbstdisziplin können das effiziente Arbeiten erschweren. Hier kann es helfen, als Lehrkraft Anleitung und Hilfestellung zu geben.

Quellen

https://www.mmb-institut.de/wp-content/uploads/mmb-Trendmonitor_2019-2020.pdf

https://www.youtube.com/watch?v=ukJ9ZNOsJ90

https://www.spiegel.de/deinspiegel/breitbandausbau-warum-das-internet-in-deutschland-so-langsam-ist-a-4ae2e73a-0002-0001-0000-000176028069

https://hochschulforumdigitalisierung.de/de/blog/blended-learning-praxis

https://www.ecademy-learning.com/ausbildung-digital/blended-learning/

https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/blended-learning-53492

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