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Schulentwicklung - was ist das? Veränderung als Notwendigkeit

Inhaltsverzeichnis

„Wir sind Schüler von heute, die in Schulen von gestern, von Lehrern von vorgestern, mit Methoden aus dem Mittelalter, auf die Probleme von übermorgen vorbereitet werden.“

Dr. Peter Pauling (Professor für Schulpädagogik)

Die Welt des 21. Jahrhunderts ist komplex. Um dieser Komplexität und ihren Herausforderungen zu begegnen, ist es keine sinnvolle Strategie am Althergebrachten festzuhalten. Schulen sind keine statischen Institutionen. Sie passen sich an, wenn sich die Gesellschaft, die Kinder und Jugendlichen oder die Lernanforderungen verändern. Dadurch kommen auf Lehrkräfte immer wieder neue Anforderungen zu.

„Schulentwicklung“ geht noch einen Schritt weiter: Der Begriff bedeutet nicht nur, dass sich Schulen „irgendwie“ verändern und entwickeln. Es handelt sich dabei um einen systematischen Prozess.

1990 veröffentlichten der norwegische Bildungsforscher Per Dahlin und der deutsche Bildungsforscher Hans-Günther Rolff ein Buch mit dem Titel: „Institutionelles Schulentwicklungsprogramm: eine neue Perspektive für Schulleiter, Kollegium und Schulaufsicht“. [1] Die Autoren waren davon überzeugt, dass das Schulwesen durch zentral angeordnete Reformen nicht mehr zukunftsfähig gemacht werden könne. Darum – so ihre These – sollte die Verantwortlichkeit für schulische Innovation direkt bei den Einzelschulen liegen. Damit legten die beiden Autoren den Grundstein für das heutige Verständnis von Schulentwicklung.  

Angestrebt wird ein Paradigmenwechsel: von der zentralistischen Schulplanung zur „Einzelschule als Gestaltungseinheit“. [2]

Was ist unter „Schulentwicklung“ zu verstehen?

Die Schule als Ganzes ist einem ständigen Wandlungsprozess unterworfen. Als Bindungseinrichtung ist sie gezwungen, auf neue gesellschaftliche Anforderungen zu reagieren. Das setzt die Bereitschaft und die Fähigkeit zu ständiger Weiterentwicklung voraus.

In den letzten Jahren musste sich die Schule beispielsweise auf Inklusion, junge Flüchtlinge mit unterschiedlichen Muttersprachen und eine rasant fortschreitende Digitalisierung bedingt durch die Corona-Pandemie einstellen.

Schulentwicklung hat das Ziel, mit neuen Herausforderungen umzugehen und die Qualität der Schule und des Unterrichts zu verbessern. Dafür werden Visionen und Wertvorstellungen sowie daraus ableitbar Ziele und Maßnahmen formuliert und in den schulischen Alltag übertragen.

Die Schule gilt in diesem Kontext als lernende Organisation. Die Gestaltungseinheit ist die Einzelschule (Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien).

Drei Aufgabenfelder stehen dabei im Fokus:

  • die Optimierung schulorganisatorischer Abläufe,
  • die Verbesserung des Schulklimas und
  • die konkrete Verbesserung des schulischen Unterrichts.

Warum ist Schulentwicklung wichtig?

Gesellschaftliche Veränderungen und Umbrüche machen Schulentwicklung nötig. Ohne die Bereitschaft zur Veränderung, kann die Schule ihren Bildungsauftrag nicht mehr erfüllen. Heute benötigen junge Menschen einen anderen Wissensschatz als früher. Auch die Arten des Lernens haben sich durch das Internet immens verändert.

Die Schule verfolgt das Ziel, junge Menschen auf die Anforderungen der Gesellschaft und der Arbeitswelt vorzubereiten. Damit das gelingt, muss die Schule aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen Rechnung tragen.

Denn diese haben Einfluss auf die Schülerschaft und deren Lebensumwelt.

Ebenen der Schulentwicklung

Neuere Ansätze unterscheiden drei Ebenen der Schulentwicklung:

  • der Ebene der Ministerien/Schulaufsicht (Makroebene)
  • der Ebene der Bildungsregionen (Intermediale Ebene)
  • der Ebene der Einzelschule und individueller Netzwerke (Mesoebene)

Die Vorgaben des Bundes beziehungsweise des jeweiligen Bundeslandes (Makroebene) finden ihre Umsetzung in den beiden anderen Ebenen. Dadurch kommt es zu einer Verstärkung der autonomen Schulentwicklung und infolgedessen zu einer Entstaatlichung des Schulwesens. [3]

„Eine qualitätsbewusste Schule ist […] eine, in der ständig über Qualität gesprochen wird und konsensuell entschieden wird“. [4] Dafür bietet sich die Methode der Selbstevaluation an. Das heißt, die Verantwortung für die systematische Durchführung, Gestaltung und Auswertung einer Evaluation Messung der Entwicklungsergebnisse trägt die jeweilige Schule selbst.

Die aus der Selbstevaluation gewonnenen Einsichten und Erkenntnisse dienen als Grundlage für den Weiterentwicklungsprozess. [5] Daraus resultieren mehr Kommunikation über Qualität und mehr konstruktives Feedback, sodass Verbesserungen möglich werden.

Schulentwicklung nach Rolff

Der Bildungsforscher Hans-Günter Rolff betrachtet die bewusste Schulentwicklung als Kombination aus personaler Entwicklung, Unterrichtsentwicklung und Organisationsentwicklung. Als Ziel der Schulentwicklung sieht er die Verbesserung der Schulqualität. Dafür müsse Schulentwicklung von der Einzelschule her gedacht werden. Die Lehrkräfte sieht Rolff dabei als einzige Chance für Wandel und Weiterentwicklung. [6]

Plant eine Schule, einen Schulentwicklungsprozess zu beginnen, kann diese Rolff zufolge mit Organisationsentwicklung, Unterrichtsentwicklung oder Personalentwicklung starten.

Rolff unterscheidet drei Arten der Schulentwicklung:

  • Schulentwicklung 1. Ordnung (alltägliche Schulentwicklung): Damit ist die bewusste und systematische Entwicklung von Einzelschulen, das heißt, von Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien, gemeint.
  • Schulentwicklung 2. Ordnung (institutionelle Schulentwicklung): Die Schulen organisieren, reflektieren und steuern sich eigenständig. Auf diese Weise werden Einzelschulen zu lernenden Schulen. [7]
  • Schulentwicklung 3. Ordnung (komplexe Schulentwicklung): Es werden Rahmenbedingungen geschaffen, die die Selbstkoordinierung der Schulen anregen. Einzelschulen und das Schulsystem als Ganzes entwickeln sich gleichzeitig.

Organisationsentwicklung (OE)

Unter Organisationsentwicklung ist zu verstehen, dass sich eine Organisation von innen entwickelt. Das passiert durch die Mitglieder der Organisation. Prozessberater:innen von außen können Impulse zur Unterstützung einbringen. unterstützen.

Organisationsentwicklung lässt sich in vier Phasen einteilen:

  • Diagnose (Ist-Zustands),
  • Aufbau einer Steuer- oder Entwicklungsgruppe (Binnensteuerung),
  • Beratung von außen und
  • Evaluation (Messung der Entwicklungsergebnisse)

Die Schule gilt somit als lernende Organisation, die sich von innen heraus entwickelt.

Unterrichtsentwicklung (UE)

Die Ebene der Unterrichtsentwicklung verfolgt das Ziel, die Unterrichtspraxis und das Lernen zu verbessern. Dabei stellt die Heterogenität der Schülerschaft eine didaktische Herausforderung dar:

In einer Klasse lernen…

  • lernschwache und lernstarke Schüler und Schülerinnen,
  • Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderungen,
  • mit und ohne Migrationshintergrund,
  • mit unterschiedlichen Muttersprachen,
  • aus unterschiedlichen Vermögensverhältnissen und
  • aus unterschiedlichen Lebenswelten

Die Unterrichtsentwicklung nimmt in den Blick, welche Kompetenzen Lehrkräfte erwerben müssen, um dieser Vielfalt in der alltäglichen Unterrichtspraxis gewachsen zu sein.

Personalentwicklung (PE)

Die Schule ist ein Ort der Begegnung und des Lernens auf allen Seiten. Die Personalentwicklung konzentriert sich auf die individuellen Kompetenzen der Lehrkräfte und mögliche Förderungsmaßnahmen. Dazu zählen die Personalfortbildung, Personalführung, Personalförderung sowie die Persönlichkeitsentwicklung.

Methoden zur Personalentwicklung sind:

  • Coachings,
  • Supervisionen,
  • Fortbildungen,
  • Trainings,
  • Jahresgespräche,
  • gegenseitige Hospitation und
  • Teamentwicklung [8]

Was ist eine partizipative Schulentwicklung?

Eine „partizipative Schulentwicklung“ bedeutet, dass auch Schülerinnen und Schüler sowie Eltern aktiv an der Schulentwicklung beziehungsweise an Unterrichtsentwicklungsprozessen beteiligt sind. Der Begriff beschreibt die interne Ausgestaltung von Schulangelegenheiten und die Beteiligung an außerschulischen gesellschaftlichen und politischen Aufgaben.

Quellen

[1] Dalin, P./ Rolff, H.-G. (1990): Institutionelles Schulentwicklungsprogramm. Eine neue Perspektive für Schulleiter, Kollegium und Schulaufsicht. Soest.

[2] Fend, H. (1986): „Gute Schulen ‐ schlechte Schulen“. Die einzelne Schule als pädagogische Handlungseinheit. In: Die Deutsche Schule 78, S. 275‐293

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Selbstevaluation_in_Schulen

[4] Kempfert, G. & Rolff, H.-G. (1999): Pädagogische Qualitätsentwicklung. Ein Arbeitsbuch für Schule und Unterricht. Weinheim: Beltz, S. 15

[5] http://www.smv-bw.de/rechte/Anhang/Leitfaden_Selbstevaluation.pdf

[6] https://shop.wolterskluwer.de/media/pdf/57/c5/38/75287f6a-99e8-40fa-8a53-dd290d513e76_55866568.pdf

[7] https://www.ganztaegig-lernen.de/media/fachtagung/Schulentwicklung.pdf

[8] https://shop.wolterskluwer.de/media/pdf/57/c5/38/75287f6a-99e8-40fa-8a53-dd290d513e76_55866568.pdf

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